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Exklusiv-Interview mit Ronnie Del Carmen

Wie heute Vormittag bereits angekündigt, habe ich noch eine Überraschung für Euch.

Der Pixarblog hatte die große Ehre Ronnie Del Carmen (Story Supervisor) in einem Exklusiv-Interview die ein oder andere Frage zu seiner Arbeit am Kinofilm OBEN zu stellen.

Pixarblog: Worin bestand Ihre Arbeit als Story Supervisor am Kinofilm OBEN?
Ronnie Del Carmen: Nun, ich bin in der Story Crew tätig. Wir haben Story Leute, die uns in Form von Story-Boards helfen, den Film zu dramatisieren, sodass wir sie in  Story-Reels einflechten können und Sound-Effekte, Stimmen und Musik hinzufügen können um sie im Film zu testen. Auf diese Weise können wir sehen ob es funktioniert, ohne das wir irgendetwas animieren. Meine Aufgaben liegen nicht nur darin, als Partner für Bob, Pete und all die anderen Pixarians zu fungieren, sondern auch das Team zu führen, welches versucht, die visuelle Dramaturgie entstehen zu lassen.

Pixarblog: Welche Aufgaben waren aus Ihrer Sicht die kniffligsten in der Entstehungsphase des Films?
Ronnie Del Carmen: Die schwierigste Aufgabe in all unseren Story-Reels ist, den richtigen Moment – die richtige Geschichte aufkommen zu lassen. Wir haben alle möglichen Fertigkeiten zur Verfügung um zu zeichnen, zu rendern oder zu malen wenn wir es benötigen. Am schwierigsten für uns alle ist es, die Story umzusetzen. Aber wir finden immer einen Weg, da wir sehr kreative Leute haben. Und das ist der Grund, warum wir unsere Story-Reels machen. Denn so sicher wir uns auch mit den Ideen sind, wissen wir nicht wirklich, ob sie funktionieren, bis wir sie in den Film einsetzen. Wenn man es dann im Film sieht, kann man sagen, ob es wirklich geklappt hat oder ob man noch ein bisschen nachhelfen muss. In diesem Fall war der schwierigste Teil womöglich im dritte Akt, als wir all die wundervollen Handlungsstränge, die wir erzählen, zusammen gepackt haben.

Pixarblog: Während der Produktion zu OBEN, woher nahmen Sie die Ruhe, Kraft und Kreativität um solch ein Projekt zu bewältigen?
Ronnie Del Carmen: Was uns voran treibt ist die Fähigkeit zusammen zu arbeiten, denn all die neuen Ideen kommen auf, wenn man anfängt, sich über die Story zu unterhalten – sogar wenn man sich jahrelang darüber unterhält! Du sitzt in einem Raum und versuchst rauszufinden, welche anderen Dinge du mit einbauen kannst und fängst an zu zeichnen. Aber wir zeichnen auch nach unseren eigenen Lebenserfahrungen. Die besten Sequenzen, in denen ich das Glück hatte involviert zu sein, waren die, die eine Inspiration aus dem wahren Leben zu Grunde liegen hatten. Und deshalb erinnern wir uns so gut an diese Momente, weil sie sich real anfühlen!

Pixarblog: Auf der DVD/Blu-ray befindet sich unter anderem „Das Abenteuer wartet“ die Reise zum den Tepuis. Als Sie bei den Tepuis (Tafelberge) waren, was haben Sie für Eindrücke für sich privat und in Bezug auf den Film mitgenommen?
Ronnie Del Carmen: Es war gewiss der Trip unseres Lebens. Als wir ankamen, waren wir so fasziniert von diesem Ort, weil es scheint, als wäre man auf einem anderen Planeten. All die Ehrfurcht und Inspiration, die wir auf der Höhe dieser unwirklichen Landschaft verspürten, ist etwas, das wir Carls Charakter geben mussten! Dort findet man so viele Farben, Emotionen und Sensationen, wir trafen auf unterschiedlichste Witterungen: für fünf Minuten ist es sonnig und in den nächsten fünf Minuten gießt es in Strömen und dann rücken die Wolken an…es ist sehr rutschig dort und auch ein Stück weit gefährlich. Aus diesem Grund ist diese unwegsame Gegend nicht besiedelt. Es war eine großartige und einmalige Erfahrung.

Pixarblog: Warum ausgerechnet Dug in einer Spezialmission und nicht Russel oder Kevin?
Ronnie Del Carmen: Dug ist ein Wesen, das nahezu immer eine positive Sicht der Dinge und auf das momentane Geschehen hat. Er kann sich auf das Positive fokussieren und er ist sehr inspirierend für mich, denn er bringt mich zum lachen und gibt mir ein gutes Gefühl. Ich mag diesen Charakter und ich mochte es, ihn zu zeichnen. Doch die andere Sache ist, wenn du das aller erste Mal auf Dug triffst, erzählt er, dass er auf einem Sondereinsatz ist und niemand verliert im Hauptfilm je wieder ein Wort darüber! Deshalb war ich neugierig darauf wie er zu seinem Sondereinsatz gekommen ist! Man kann erzählen, dass ihn die anderen Hunde auf eine Wildgansjagd angesetzt haben, man weiß jedoch nicht genau was dazu führte. Ein anderer Aspekt ist, das Dug sich von Beginn an einen Narren an Carl gefressen hat. Er liebt ihn auf Anhieb. Er sagt es in der Tat: „Ich heiße Dug und ich hab dich jetzt schon schrecklich lieb!“ Eigentlich scheint sich Dug schon seit langer Zeit danach zu sehnen, jemanden wie Carl zu treffen. Deshalb wollte ich diese Geschichte erzählen und sehen ob ich es in den Hauptfilm einfügen kann.

Pixarblog: Wie entstand die Geschichte um Dugs Sondereinsatz? Mir ist aufgefallen, dass die Reise nach Südamerika zu den Tepuis einen großen Einfluss darauf hatte.
Ronnie Del Carmen:
All die kleinen Momente, die die Hunde dort erleben, waren irgendwie inspiriert von unserem eigenen Trip. Dort gab es eine Menge Felsblöcke, die nur von winzigen Steinen getragen worden. Es schien fast so, als könnten sie jedem Moment umkippen. Wenn du sie dir anschaust, fühlt es sich so an wie: „Junge, geh da lieber nicht so nah ran, sonst wirst du überrollt!“ und dort gibt es auch jede Menge Sand – überraschender Weise genug! – rosafarbener Sand auf dem Plateau der Tepuis. So wanderst du im ersten Moment auf Felsen und im nächsten Moment scheint es, als wäre rosafarbener Strand auf die Hochebenen des Tepuis geworfen worden. Und es sind eine Menge Säulen aufgereiht, sodass man möglicherweise herumspringen und hinüber schreiten kann. Aber natürlich ist es gefährlich, da jeder Stein dort, der dem Wetter ausgesetzt ist, mit Moos bedeckt ist. Es ist sehr rutschig und ich bin so viele Male ausgerutscht…!

Pixarblog: Gibt es schon ein neues Projekt bei Pixar an dem Sie mitarbeiten?
Ronnie Del Carmen: Ja klar, wir denken immer über neue Dinge und neue Ideen nach. Im Moment haben wir alle vier oder fünf Sachen in unseren Köpfen herumschwirren. Für Pixar ist es wichtig, dass man dran bleibt, neue Erfahrungen zu kreieren. Wir arbeiten daran!

Ein rießen Dank geht an Katrin die mir das verwirrende „Transskript“ übersetzt hat.

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1 Kommentar

  • Antworten Interview mit dem Story-Supervisor von “OBEN” | Digitale Leinwand - Die Digitalisierung des Kinos. am 22. Januar 2010 um 14:34 Uhr

    […] Das exklusive Interview gibt es auf seinem Pixarblog. Nach dem Klick. […]

  • Schreibst Du mir? Toll, ich freu mich!